Moderne Architektur

Schimmernde Liebe auf den ersten Blick

Zeitgenössisches von den Eidgenossen:
Schiefer als Kult-Objekt am Bau –
Ein uralter Stein im modernen Design


Moderne Architektur und ein uralter Stein: Immer mehr Bauherren entdecken blau-grau schimmernden Schiefer als haltbares Design-Objekt. Aus dem einstmals historischen Bedachungsmaterial für Burgen entwickelte sich ein Kult-Stein für zeitgenössische Fassaden – Klassik trifft Zukunft.

Die Schweiz? Da denken wir doch sofort an hohe Berge, feine Schokolade und verschwiegene Bankiers. Und vergessen vielleicht, dass die Eidgenossen auch für zeitgenössische Architektur stehen. Lucas Steiner, ein junger Architekt aus Schwyz, gehört zu den innovativen Vertretern einer Baukunst, die nicht auf alpenländische Schnörkelromantik setzt. Zusammen mit seiner Partnerin Sabine Wille und seinem Bruder Benedict Steiner entwirft er charakterstarke Häuser, die im lebhaften Dialog mit der imposanten Landschaft stehen. Inspirieren lässt sich der 38-Jährige immer wieder von Materialien, die ursprünglich und nachhaltig sind - wie zum Beispiel Schiefer. Und der kommt nicht aus den Höhen der Alpen, sondern aus den Tiefen der Eifel. „Es war wohl so etwas Ähnliches wie Liebe auf den ersten Blick“, schmunzelt Lucas Steiner. Wenn er von seinen anfänglichen Kontakten mit dem Stoff aus dem Innern der Erde erzählt, dann schwingt echte Begeisterung in seiner Stimme. Die „Sinnlichkeit“ des erlesenen Materials, sagt er, berührte ihn sofort. Die überzeugenden „pragmatischen und technischen“ Seiten des Schiefers, seine wertvolle, gesunde Natürlichkeit faszinierten ihn endgültig.

Bis das junge Architektentrio seinen ersten Bau mit Schieferfassade im idyllischen Schwyz in der Zentralschweiz errichten konnte, musste einiges an Überzeugungsarbeit geleistet werden: „Es gab hier zuvor nirgends ein Schiefergebäude.“ Doch die Mitglieder der gestrengen Bewilligungsbehörde ließen sich überzeugen – nicht zuletzt von zwei Handmustern. Nachdem sie eine Platte aus blau-grauem Rathscheck-Schiefer, der vor rund 400 Millionen Jahren auf dem Grund der urzeitlichen Meere entstand, in den Händen gehalten hatten, ließen sie die Gestalter vorbehaltlos gewähren.


So entstand in Schwyz ein Haus für zwei Familien, das sehr bewusst den „Genius Loci“, den Geist des Ortes, aufgriff. Und der ist geschichtsträchtig. Denn Zukunft trifft dort Historie: In direkter Nachbarschaft steht ein stattliches, denkmalgeschütztes Bürgerhaus, dessen älteste Teile ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Ein „bäuerlicher Barockgarten“ blüht gleich nebenan, Nebenbauten, Schattenhäuschen und eine Einfriedung aus verschiedenen Stilepochen gesellen sich dazu. Keine Frage, hier war Fingerspitzengefühl gefragt. Zumal Lucas Steiner, dessen Familie in der Schweizer Kleinstadt seit vier Generationen als Architekten tätig ist, sich das Ziel setzte, ein Haus zu bauen, dass „gezielt aktuelle Themen aus dem zeitgenössischen Architekturdiskurs“ aufgreift. Mehr noch. Die Absicht war, einen Entwurf „unserer Zeit“ zu verwirklichen, der in kommenden Epochen vielleicht zurückdatiert werden kann, weil er in Formensprache und Detaillösung aussagekräftig für die ersten Jahre des dritten Milleniums ist. „Das ist doch ein schöner Gedanke“, findet Steiner, „der durch das weit verbreitete Streben nach zeitloser Architektur vielleicht etwas abhanden gekommen ist.“ Er findet es „toll, wenn sich technologischer Fortschritt, Bedürfniswandel und Lebensstil als Kinder des herrschenden Zeitgeistes“ auch im Bauen niederschlagen. Rechteckige Schieferformate machen ein sachlich-anspruchsvolles Design möglich, moderne Befestigungsmethoden mit Edelstahlklammern sorgen für sicheren Halt gegen Wind und Wetter.


Der junge Schweizer weiß sehr genau, wovon er spricht. Sein Ausbildungsweg liest sich wie ein Almanach aktueller Architekturrichtungen. Schließlich war der 38-Jährige unter anderem als Entwurfs-Architekt im Studio Daniel Libeskind in Berlin. Er arbeitete mit Frank O. Gehry in Santa Monica zusammen und mit dem Architekturtheoretiker Kurt W. Forster an der ETH Zürich. Seit einigen Jahren führt er zusammen mit Sabine Wille und Benedict Steiner ein eigenes Architekturbüro. Die erstaunliche „Liebesgeschichte“ des engagierten Schweizer Baumeisters mit dem Schiefer hat übrigens ein echtes Happy End erlebt. „Trotz modernster Architektursprache wurde ein ausgewogenes Verhältnis zwischen neuzeitlicher Architektur und historischer Bausubstanz erreicht,“ freut sich Lucas Steiner.

Ein Kompliment gebührt dafür wiederum dem Schiefer, mit dem Steiner + Wille + Steiner nun bereits das zweite Haus eingekleidet haben: „Wie kaum ein anderes Produkt entspricht er den Bedürfnissen unserer Zeit“, versichert er. Es sei einfach dringend notwendig, dass sich in der Baubranche wieder ein „ausgeprägtes Qualitäts- und Materialbewusstsein“ durchsetzt. Schiefer ist ein authentisches Naturprodukt, das über „ein hohes Maß an Poesie und Oberflächencharakter“ verfügt. „Wenn Sie einmal gesehen haben, wie die Sonne im Streiflicht die feine Struktur einer gebrochenen Schieferplatte herausmodelliert“, schwärmt Steiner, „oder wenn Sie mit der Hand das feine Relief spüren, dann wissen Sie, was ich meine.“

Und noch eines berührt den jungen Gestalter, der sich nicht von oberflächlichen Moden und Trends verführen lässt, sondern nach stilvoller Nachhaltigkeit strebt: „Mit Schiefer wird ein Dokument der Erdgeschichte verbaut – sein Alter macht ihn im gleichen Maß wertvoll und einmalig.“ So empfiehlt sich ein Werkstoff aus der Urzeit für unsere Welt von morgen – ökologisch wie ökonomisch sinnvoll: Denn hinter der Schieferfassade sorgt eine optimale Dämmung für geringsten Wärmverlust. Und die Langlebigkeit des Schiefers über Jahrzehnte für kaum Unterhaltungsaufwendungen.

Auskunft und kostenlose Bauherren-Information: Rathscheck-Schiefer, Barbarastr. 3, 56727 Mayen-Katzenberg, Telefon 02651/9550, www.schiefer.de


Copyright Text & Fotos: Ratscheck Schiefer



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